Biodiversität - Reichtum für Zürich

13.04.2010 von Max Ruckstuhl, Leiter Fachstelle Naturschutz Grün Stadt Zürich

Immer wieder höre und lese ich, dass die Vielfalt in der Stadt oder im Siedlungsgebiet gering sei. Das Gegenteil ist der Fall! Schon in den 1980er Jahren wurde bei Untersuchungen in Deutschland und in der Schweiz festgestellt, dass die Vielfalt in den Städten grösser ist als im landwirtschaftlich genutzten Umfeld.

Professor Dr. Elias Landolt hat die Flora der Stadt Zürich während Jahren intensiv studiert und in seinem Lebenswerk «Flora der Stadt Zürich» eindrücklich beschrieben. Über 1200 wildwachsende Pflanzenarten gedeihen hier, darunter auch sehr viele seltene Arten der Roten Liste.

Und wie steht es um die Tierwelt? Auch die ist ziemlich reich! «Ist die Stadt Zürich für Tiere eine Art Arche Noah?» titelte der Tagesanzeiger am 10. Februar. Das Buch Stadtfauna: 600 Tierarten der Stadt Zürich zeigt in knapper und kompakter Form, was sich in Zürich alles bewegt, kreucht, fleucht und fliegt. Über zwei Dutzend Spezialistinnen und Spezialisten waren an diesem Werk beteiligt.

50 Prozent aller Schweizer Brutvögel brüten in der Stadt Zürich, über 40 Prozent aller Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Fische und vieler weiterer Tiergruppen können in Zürich nachgewiesen werden. Geht man davon aus, dass in der Schweiz etwa 40'000 Tierarten leben, so dürften in der Stadt Zürich etwa 16'000 Arten vorkommen.

Mit den Hügelzügen Adlisberg-Zürichberg-Hönggerberg-Gubrist auf der einen und dem Uetliberg auf der andern Seite, dem See, den Flüssen und zahlreichen Bächen weist Zürich auch eine hohe Lebensraumvielfalt auf.

Die Hände in den Schoss zu legen und zu sagen, es sei ja alles wunderbar, wäre jedoch fatal. Die Stadt Zürich hat schon vor ca. 25 Jahren weit vorausschauende Konzepte erarbeitet und deren Umsetzung begonnen. Aus dem Freiraumkonzept Mitte der 1980er Jahre entstanden beispielsweise die Alleen-, Bachöffnungs- und Landwirtschafts-Konzepte. Es entstanden Umsetzungsprojekte wie Natur ums Schulhaus, 10'000 Obstbäume für Zürich und über 20 Kilometer Bachläufe wurden seither ans Tageslicht gebracht oder ökologisch aufgewertet.

In den Wald- und Naturschulen werden jedes Jahr Tausende von Schulkindern mit Erde, Wald, Wasser, der Landwirtschaft oder Obstbäumen vertraut gemacht. Das Grünbuch der Stadt Zürich zeigt in zehn strategischen Schwerpunkten auf, wie wir für eine nachhaltige Grünwirkung sorgen wollen.

Natur findet Stadt. Vielleicht nicht gerade am Paradeplatz oder an der Rosengartenstrasse. Aber schon ein paar Meter weiter auf dem 100 Hektar grossen Bahnareal, der In-Meile beim Letten oder an den Hochkaminen der Kehricht- und Heizkraftwerke Josefstrasse und Hagenholz können spannende Tiere erlebt werden.

Natürlich wird in Zürich gebaut. Die Nachfrage nach Wohnraum ist gross. Während der letzten fünfzig Jahre hat sich der Platzbedarf pro Einwohner beinahe verdoppelt. Verdichtetes Bauen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Der Qualität von Wohn- und Freiraum muss allerdings hohe Priorität beigemessen werden. Die Städte und nicht nur Zürich müssen die Grünraumqualitäten hoch halten. Intakte Grünräume tragen wesentlich zum Marketingvorteil gegenüber andern europäischen Städten bei.

So gesehen trägt Biodiversität auch zum Reichtum und Wohlergehen Zürichs bei!

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