Der Schutz der Biodiversität braucht das Engagement von uns allen

30.03.2010 von Silva Semadeni, Pro Natura Präsidentin

Als Pro Natura Präsidentin reise ich regelmässig von Graubünden nach Basel an Zentralvorstandssitzungen. So auch vergangene Woche. Die lange Zugreise nutze ich, um Unterlagen zu studieren für die bevorstehende Sitzung. Dabei geht es eigentlich immer um «Biodiversität».

Pro Natura kümmert sich seit über 100 Jahren um die Biodiversität in der Schweiz. Sie begann damit lange bevor der Begriff «Biodiversität» 1992 in Rio die Bühne betrat. Oft schweift mein Blick auf der Reise weg von den «Biodiversitäts-Papieren», raus aus dem Zug. In die Natur.

Was mich dabei immer wieder beruhigt: Biodiversität ist nicht nur in den Unterlagen – in den Projekten, den Vernehmlassungen –, die ich für Pro Natura studiere. Biodiversität ist vor allem draussen. Der Fels mit seinen Nischen, die Seen, die Bäche, Flüsse und Wasserfälle, die Insel Ufenau und der Frauenwinkel. Die Matten und Weiden. Die Wälder.

Der Blick aus dem Zug beruhigt nicht nur. Vielmehr gibt er oft Grund zur Beunruhigung. Die Landschaft wird immer mehr zugebaut. Der Strom mit dem auch der Zug durch die Gegend zieht, wird oft auf Kosten der natürlichen Lebensräume der Wasserlebewesen produziert. Intensiv bewirtschaftete Äcker und Wiesen bieten keine Heimat mehr für zahlreiche Lebewesen.

Die Folgen dieser Entwicklungen sind leider deutlich: So zeigt der Swiss Bird Index der Schweizerischen Vogelwarte, dass es den Vogelarten, die auf der Roten Liste stehen, immer schlechter geht. Das Aussterben der nächsten Vogelart ist damit nur eine Frage der Zeit.

Das gleiche Bild zeigt die neuste Rote Liste der Amphibien. Bei fast allen einheimischen Amphibienarten geht die Zahl der Populationen zurück, bei einigen Arten sogar dramatisch. Innert 20 Jahren haben sich die Vorkommen von Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Laubfrosch, Kammmolch und Teichmolch halbiert.

Die Schweiz verliert ihren Reichtum an Tier- und Pflanzenarten. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass sich dieser Verlust noch beschleunigt. Zwischen 1900 und 1950 sind mindestens 29 Pflanzen und 12 Tierarten aus der Schweiz verschwunden. Zwischen 1950 und 2000 waren es bereits 49 Pflanzen- und 18 Tierarten.

Und so wendet sich mein Blick wieder den Unterlagen auf der Zugsablage zu und ich bin froh, dass Pro Natura mit jedem Naturschutzgebiet, das sie kauft oder anderswie sichert, mit jedem Projekt, das Lebensräume aufwertet oder erhält, mit jeder Vernehmlassung zu wichtigen Gesetzesänderungen im Naturschutzbereich oder jeder Idee für Umweltbildungsprojekte einen Beitrag zum Erhalt der Vielfalt unseres Lebens leistet.

Pro Natura wird dies auch nach dem Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 weiterhin tun. Hoffentlich zusammen mit vielen anderen. Denn Biodiversität ist die Lebensgrundlage von uns allen; deren Schutz eine Aufgabe für uns alle.

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