Der Beitrag der Kirchen zur Biodiversität

30.08.2010, von Kurt Zaugg-Ott, Leiter oeku Kirche und Umwelt

Es mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, dass Kirchen sich mit der Biodiversität befassen sollen. Dies werden nicht nur Aussenstehende, sondern auch kirchliche Insider so empfinden, denn die Kirche ist doch in erster Linie für die Menschen da.

Die Biodiversität ist aber durchaus ein Thema von Theologie und Kirche. Schliesslich freut sich Gott schon auf den ersten Seiten der Bibel über die von ihm geschaffene Vielfalt, wenn bemerkt wird: «Und Gott sah, dass es gut war.»

Dass der eine Gott die Vielfalt der Geschöpfe hervorbringt, regte an über Gott selbst nachzudenken. Gottes Innenleben wurde als Beziehungvielfalt zwischen Gottvater, Sohn und Heiligem Geist gedeutet.

Lebt im Inneren Gottes also gewissermassen das Biotop, aus dem die Vielfalt des Lebens von Pflanzen, Tieren und Menschen entstanden ist?

Nicht nur durch so grundlegende theologische Überlegungen sind die Kirchen mit der Biodiversität konfrontiert. In ihrem meist historischen Gebäudebestand, in ihren Liegenschaften und auf den umgebenden Flächen sind Kirchen ganz praktisch Hüterinnen der Artenvielfalt. Mit den Fledermausbeständen in Kirchtürmen und Dachstöcken, mit Nistmöglichkeiten für Segler, Falken, Schwalben, Eulen usw. sind kirchliche Gebäude wertvolle Oasen für die Biodiversität.

Wenn die Kirchen für sich entdecken, dass sie hier eine Aufgabe haben, die über das soziale Engagement hinausgeht, ist ein wichtiger Schritt getan. Denn nach biblischem Verständnis ist der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern Gottes Stellvertreter auf Erden, der von Gott eingesetzte Gärtner im Paradiesgarten und damit Hüter der Biodiversität. Höchste Zeit, dass wir uns auf diese Rolle zurückbesinnen.

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