Was nützen mir denn die Schwebfliegen?

18.01.2010, von Daniela Pauli, Geschäftsleiterin des Forum Biodiversität Schweiz der Akademie Naturwissenschaften und Redaktorin von ORNIS, der Zeitschrift des SVS/BirdLife Schweiz

Was nützen mir denn die Schwebfliegen, wurde ich schon gefragt, oder: wozu sind denn die Moore gut?

Offenbar muss Biodiversität etwas bringen, damit wir bereit sind, sie zu schützen. Zum Glück singen die Vögel prächtig, und der Durchschnittsmensch findet artenreiche Wiesen schöner als artenarme. Doch auch diese Haltung ist natürlich nicht ganz uneigennützig. Ganz im Gegensatz zu dieser: Jede Art hat das Recht zu existieren, unabhängig davon, ob wir von ihr profitieren oder ob sie gar Schaden anrichtet. Damit wären wir schon aus moralischer Sicht verpflichtet, mit der Vielfalt sorgsam umzugehen.

Neuerdings wird für die Erhaltung der Biodiversität mit ökonomischen Argumenten geworben. Das ist zunächst einmal etwas fremd: Wir bezahlen ja nichts für die Arten und funktionierende Ökosysteme, sie sind einfach da. Ökonomen haben aber Methoden entwickelt, um den Wert der Biodiversität indirekt zu berechnen, zum Beispiel die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz oder den Erholungswert des Schweizer Waldes (10,5 Mia Franken pro Jahr). Die grösste Studie läuft zurzeit unter dem Namen TEEB, «The Eonomics of Ecosystems and Biodiversity»; die Ergebnisse werden noch 2010 publiziert. Ob darin auch die wirtschaftliche Bedeutung der Schwebfliegen als Bestäuber erwähnt ist, weiss ich nicht.

Man kann sich darüber streiten, ob solche Berechnungen nötig sind. Sicher ist aber: Mit moralischen Argumenten allein lässt sich nur ein kleiner Teil der Menschen für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität mobilisieren. Andere sind dazu erst bereit, wenn bei Biodiversitätsverlusten ökonomische Konsequenzen drohen. Es ist gerade diese Vielfalt an guten Gründen, die hilft, Entscheidungsträger aus den unterschiedlichsten Bereichen in die Verantwortung für die Erhaltung, Förderung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt einzubeziehen. Hauptsache, es geht endlich einen Schritt weiter. Hauptsache, die biologische Vielfalt ist nicht länger eine Restgrösse, die übrig bleibt, wenn die Bedürfnisse nach Wohnraum, unbeschränkter Mobilität, Freizeitaktivitäten bis in die hintersten Winkel unseres Landes sowie billigen Konsumgütern gedeckt sind. Hauptsache, die Biodiversität erhält endlich den Stellenwert, den sie verdient, will heissen: Sie wird bei allem menschlichen Tun bewusst als Entscheidungskriterium miteinbezogen, in der Raumplanung wie der Siedlungsentwicklung, in Wirtschaft und Industrie, in der Land- und Forstwirtschaft, im Tourismus und der Entwicklungszusammenarbeit, in Wissenschaft und Bildung, Kultur und Landesverteidigung. Hauptsache, wir alle übernehmen alle Verantwortung für die zunehmend knappe «Ressource Biodiversität».

Ob wir dies aus einer moralischen Verantwortung heraus tun oder aus ökonomischen Gründen, spielt schlussendlich keine Rolle.

Kommentare

Gerda Surber, 21.01.2010 11:21:
Schönä guetä Tag Frau Pauli
Gratulation!
Sie treffen den Nagel auf den Kopf mit diesem Text.
Aufrichtige Grüsse aus dem noch ruhenden, wieder weiss verschneiten Naturgarten 12.
Gerda Surber