Wer die Biodiversität schützen möchte sollte sich auch um Biopiraterie kümmern

08.02.2010, von François Meienberg, Erklärung von Bern

Ich komme soeben aus München zurück, wo ich Verhandlungen des Europäischen Patentamtes beiwohnte. Sie werden sich fragen, was dies mit Biodiversität zu tun hat? Eine ganze Menge! Verhandelt wurden Einsprüche gegen ein Patent der Firma Schwabe auf Extraktionsverfahren für Pelargonienarten aus dem südlichen Afrika. Gegen das Patent haben, in Unterstützung einer Gemeinschaft aus Südafrika, eine südafrikanische NGO und die Erklärung von Bern Einspruch erhoben. Das Patent war unserer Meinung nach unrechtmässig, weil es zu grossen Teilen auf indigenem Wissen aufbaute (ohne die Träger des indigenen Wissens daran zu beteiligen) aber auch weil es genetische Ressourcen (die Pelargonien) verwendete ohne die Prinzipien der Biodiversitätskonvention zu berücksichtigen. Die Biodiversitätskonvention schreibt vor, dass der Nutzen aus den genetischen Ressourcen, der zum grossen Teil in den Industrieländern anfällt, mit den Ursprungsländern gerecht aufgeteilt werden muss. Dies wurde bei der Verwertung von Pelargonium für ein Hustenmittel in Europa nicht gemacht.

Dem Einspruch der EvB wurde statt gegeben. Das Patent wurde wegen fehlender erfinderischer Höhe widerrufen. ( Mehr dazu...)

Doch das Problem ist damit noch nicht gelöst. Bei der Umsetzung «der gerechten Aufteilung der Vorteile» – einem zentralen Pfeiler der Biodiversitätskonvention - hapert es noch gewaltig. Noch immer schlagen Unternehmen aus Industrieländern gewaltigen Profit aus der biologischen Vielfalt von Entwicklungs- und Schwellenländern, ohne diese jedoch am Nutzen zu beteiligen. Diese Biopiraterie wird von den Betroffenen nicht mehr toleriert. Deshalb soll an der nächsten Vertragsparteienkonferenz der Konvention Ende Oktober 2010 ein Protokoll verabschiedet werden, das Biopiraterie wirksam verhindert. Auf diese Weise werden in Zukunft nicht mehr NGOs wie die Erklärung von Bern fragwürdige Patente bodigen müssen.

Auch Organisationen und Personen welche sich in erster Linie für den Schutz der biologischen Vielfalt einsetzen, müssten an einer Lösung des Biopiraterie-Problems interessiert sein. Denn nur wenn auch die biodiversitätsreichen Entwicklungsländer gerecht von der Nutzung der genetischen Ressourcen profitieren, werden sie den politischen Willen und die finanziellen Möglichkeiten aufbringen können, die Vielfalt zu erhalten und nachhaltig zu nutzen.

Allen die mehr zur Biopiraterie erfahren möchten empfehle ich unsere neue Broschüre «Wir BIOPIRATEN - Warum die Erhaltung der biologischen Vielfalt Gerechtigkeit braucht». Sie kann auf www.evb.ch online bestellt werden.

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