Zusammenhänge

Zwischen Lebewesen, Nährstoffen und verschiedenen Umweltfaktoren spinnt sich ein dichtes Netz von Abhängigkeiten und Einflüssen.

Es ist dieses Netz, das zutage tritt, wenn man beispielsweise komplexe Nahrungsketten untersucht, angefangen bei der Photosynthese über Pflanzenfresser bis zu hoch spezialisierten Raubtieren.

Ökosysteme bieten Lebensräume für Tausende oder gar Millionen von Pflanzen- und Tierarten, Pilzen und Mikroorganismen. Aus Sicht des Menschen erbringen die Ökosysteme existenzielle Leistungen. So entsteht etwa aus Niederschlägen während dem Versickern durch den Waldboden Trinkwasser; Bodenorganismen erhalten die Fruchtbarkeit für den Anbau von Nahrungsmitteln. In Zahlen ausgedrückt generieren die Ökosysteme der Erde nach einer Schätzung jährlich den ökonomischen Wert von 16‘000 bis 54‘000 Milliarden Dollar.

Arten sind die lebenden Bausteine der Ökosysteme. Manch eine Art kann unbemerkt verschwinden, ohne dass das Netz des Lebens seine Tragfähigkeit verliert, weil beispielsweise ähnliche Arten einspringen und die gleiche Funktion übernehmen. Wenn jedoch bestimmte Schlüsselarten verloren gehen, werden ganze System instabil. Der Lebensraum verändert sich auch für andere Organismen und lebenswichtige Leistungen können versiegen. Solche Wechselwirkungen sind in Ökosystemen sehr vielfältig und schwierig vorauszusagen. Die genaue Beobachtung der Artenvielfalt kann jedoch wichtige Hinweise zum Zustand der Ökosysteme geben.

Arten verschwinden nicht von einem Tag auf den anderen. Ihr Rückgang ist meist ein allmählicher Vorgang. So stehen manche Arten Jahrzehntelang auf Roten Listen. Die Populationen solcher Arten sind meistens klein und isoliert. Inzucht kann ihre Vermehrung in Frage stellen, weil die genetische Vielfalt anderer, räumlich vernetzter Populationen fehlt.

Auch die Reaktionsfähigkeit der Ökosysteme auf Extremsituationen – z.B. Dürren oder Krankheitsausbrüche – kann durch den Mangel genetischer Vielfalt eingeschränkt sein: Innerhalb ein und derselben Art gibt es nämlich immer wieder Individuen, die solche Extremereignisse besser tolerieren und somit die Gesamtwirkung dämpfen könnten, wenn die Population genügend gross und vielfältig ist.

Die drei Ebenen der Biodiversität sind eng miteinander verknüpft. Die Arten brauchen zum Überleben Ökosysteme mit geeigneten Lebensräumen sowie ausreichende genetische Variabilität. Ein Ökosystem seinerseits funktioniert nur dank dem Artenspektrum, das es beherbergt. Eine gute Vernetzung zwischen Lebensräumen wiederum ist Voraussetzung für das Aufrechterhalten der genetischen Vielfalt.

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