Zustand der Biodiversität

Durch ihre Höhengradienten, ihre geologische Vielfalt und dem reich strukturierten, über lange Zeit traditionell bewirtschafteten Kulturland beherbergt die Schweiz eine Vielzahl von Ökosystemen. Neue Daten zeigen jedoch, dass der Zustand der Biodiversität von Region zu Region sehr unterschiedlich ist.

Zustand der Ökosysteme [1]

Die Fläche der ökologisch wertvollen Lebensräume in der Schweiz ist immer noch rückläufig. Auch die Qualität solcher Biotope nimmt heute immer noch ab.

  • 90% der ursprünglichen Auen sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden.
  • Die Fläche der Trockenwiesen ist seit den 1970er-Jahren um 30 - 40% zurückgegangen.
  • Die Gesamtfläche der Moore ist in den 5 Jahren zwischen 1997/2001 bis 2002/06 praktisch unverändert geblieben. Hingegen ist eine Veränderung zwischen den Moortypen zu verzeichnen: so ging der Anteil der besonders empfindlichen Hochmoore um 10% und jener der torfbildenden Flachmoore um 6% zurück.
  • Hochstamm-Obstgärten und Kleinstrukturen, wie Baumgruppen, Hecken, Kleingehölze, kleinflächige Feuchtgebiete und Magerwiesen, natürliche Wiesenbächlein, Trockenmauern, Tümpel und andere Strukturelemente haben abgenommen.
  • Die Waldfläche nimmt jährlich um 15 Quadratkilometer zu. Allerdings beschränkt sich diese Zunahme auf nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Flächen im Hügelland und im Gebirge. In den Wäldern liegt allerdings zu wenig Totholz und die nicht mehr bewirtschafteten Wälder leiden zunehmend an Verdunkelung. Oft sind die Waldränder für viele Arten zu eintönig.
  • Von den 65'300 Kilometern Fluss- und Bachläufen der Schweiz sind rund 25% stark beeinträchtig bis naturfremd oder eingedolt. Nicht alle Gewässer in der Schweiz sind von diesen Problemen gleichermassen betroffen. Stark beeinträchtigt sind vor allem Gewässer in intensiv genutzten, tieferen Lagen. Da seit dem Ende der 1980er-Jahren immer mehr Abschnitte revitalisiert wurden, lässt sich eine leichte Zunahme der naturnahen Flüsse und Bäche beobachten.[2]
  • In den letzten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verschwanden gemäss Arealstatistik in der Schweiz jeden Tag 11 Hektaren Kulturland. Das sind knapp 1,3 Quadratmeter pro Sekunde.[3]

Zustand der Arten

Während der Artenreichtum in den Berggebieten, im Wald und erstaunlicherweise auch in gewissen Siedlungsgebieten sehr hoch ist, wurde in den Wiesen und Weiden des Mittellandes eine Homogenisierung der Vegetation beobachtet.

In der Schweiz gibt es rund 3000 Farn- und Blütenpflanzenarten. Von diesen sind...
... 2% verschollen oder ausgestorben
... 32% bedroht
... 14% selten und damit potentiell gefährdet.[4]

Von den schätzungsweise 43'000 Tierarten wurden rund 3000 beurteilt. Von diesen sind...
... 5% verschollen oder ausgestorben
... 35% bedroht
... 12% selten und damit potentiell gefährdet.[5]

Von den 1030 bekannten Moosarten in der Schweiz sind...
... 18% bedroht
... 21% selten und damit potenziell gefährdet.[6]

Bei mehr als 80% der Arten wissen wir wenig bis nichts über ihre Situation. Auch hier ist mit einem Negativtrend zu rechnen. Am stärksten gefährdet sind in der Schweiz Reptilien sowie Amphibien (z.B. der Laubfrosch), da ihnen die geeigneten Lebensräume fehlen. Auch die Lebensbedingungen für Vögel haben sich in letzter Zeit im Kulturland und in den Feuchtgebieten weiter verschlechtert, wogegen im Wald und im Berggebiet kein Trend ersichtlich ist.[7]

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[1]  Zustandsbericht Lebensräume BAFU (State) 
[2]  Zustandsbericht Gewässer als Lebensraum BAFU (State)
[3]  Arealstatistik der Schweiz BFS
[4] Moser D. et al (2002): Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz
[5] Duelli P. et al (1994): rote Liste der gefährdeten Tierarten in der Schweiz
[6] Urmi E. (1992): Rote Liste de gefährdeten und seltenen Moose der Schweiz
[7]  Zustandsbericht Artenvielfalt BAFU (State)