Ursachen des Biodiversitätsverlusts

Die wichtigste Ursache für den Verlust der Biodiversität ist der global wachsende Ressourcenverbrauch. Dabei geht Boden verloren, die Ökosysteme werden zunehmend zerstückelt und die Lebensraumqualität gerät in Gefahr. Aber auch andere Entwicklungen haben negative Folgen.

Jede Tier- und Pflanzenart ist ebenso wie ihr Ökosystem an lokale Umweltbedingungen angepasst. Wenn sich diese Umweltbedingungen ändern, können Arten aussterben und Lebensräume verschwinden. Durch massive Eingriffe hat der Mensch viele Ökosysteme in kurzer Zeit stark verändert, geschädigt oder gar zerstört. Zu diesen Eingriffen gehören...

 ... eine veränderte landwirtschaftliche Nutzung.

Die Landwirtschaft verursacht hohe Nährstoffeinträge. Während einige wenige Pflanzenarten vom reichhaltigen Nährstoffangebot profitieren können, werden andere Arten verdrängt. Daneben hat die Einführung von chemischen Unkrauts- und Schädlingsbekämpfungsmittel vielen Nützlingen den Tod gebracht. Schliesslich wurde durch die Mechanisierung der Landwirtschaft Kleinstrukturen wie Tümpel, Sträucher, Trockenmauern, Stein- und Asthaufen etc. beseitigt. Doch nicht nur die Intensivierung der Bewirtschaftung, auch die Aufgabe jeglicher Nutzung führt zu einem Verlust wertvoller Lebensräume: Besonders im Tessin und in schwierig zugänglichen Berglagen verbuschen früher extensiv genutzte  Wiesen und Weiden.

... die Zerstückelung der Lebensräume.

Der Bau von Autobahnen und Eisenbahnlinien hat zusammenhängende Lebensräume voneinander abgetrennt.[1] Diese Barrieren reduzieren heute den Individuenaustausch zwischen Populationen, die Besiedlung geeigneter Lebensräume und bei Tieren die Möglichkeit sich frei in der Landschaft zu bewegen.

... die Überbauung und Zersiedelung der Landschaft.

Die Siedlungsfläche nimmt zu, und dies oft zulasten der landwirtschaftlich genutzten Fläche[2] und Pionier-Fläche. Dies bedeutet nicht nur ein Verlust von Boden sondern auch von ökologisch interessanten Lebensräumen wie extensiv genutzte Landwirtschaftsflächen, Kiesgruben oder freistehende Flächen.

... die Veränderung des Wasserhaushaltes.

Gewässer werden eingedolt, oder ihr Gerinne verlegt. Tümpel, Teiche und Weiher sind verschwunden. Die Nutzung der Wasserkraft führt zu starken Schwankungen im Abfluss und Wasserstand, was sich in einer veränderten Artenzusammensetzung widerspiegelt.[3]

... die Änderung der Waldnutzung.

Die Abnahme der Holznutzung führte zu dichten, dunklen und strukturell einförmigen Hochwäldern. Von der Zunahme der Waldfläche profitierten insbesondere grosse Wildtierarten wie Rehe, Rothirsche, Luchse oder Gämse. Pflanzenarten, die jedoch lichte Wälder mit besonnten Böden benötigen, sind negativ von dieser Entwicklung betroffen. Ebenfalls im Rückgang begriffen ist zudem die artenreiche Flora und Fauna auf alten Bäumen oder auf liegendem und stehendem Totholz. Wie das Landesforstinventar (LFI) zeigt, hat aber die Naturnähe des Schweizer Waldes in den letzten zehn Jahren wieder zugenommen.[4]

... die Überdüngung der Ökosysteme.

Die Veränderung der Nährstoffverfügbarkeit in naturnahen Ökosystemen führt zur Dominanz einiger schnell wachsender Arten; Arten die an nährstoffarme Bedingungen angepasst sind, werden verdrängt.  Für diese Veränderungen sind vor allem Stickstoffeinträge über Luft und Wasser verantwortlich. Die Stickstoffverbindungen stammen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und aus der Landwirtschaft.[5]

... die Veränderung der Atmosphäre.

Gegenwärtig steigt die Kohlendioxid-Konzentration durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe stetig an. Damit hat der Mensch eine Situation geschaffen, die die Photosynthese der Pflanzen stimuliert, ohne dass das Angebot an anderen, lebenswichtigen Pflanzennährstoffen zunehmen würde. Pflanzenarten reagieren auf eine solche Veränderung im Nahrungsangebot unterschiedlich, es sind jedoch deutliche Veränderungen in den Lebensgemeinschaften zu erwarten.[6]

... der Klimawandel.

Durch den globalen Temperaturanstieg entsprechen den heutigen Ökosystemen Umweltbedingungen die in Zukunft nur noch höher im Norden oder im Gebirge anzutreffen sind.

... hormonaktive Substanzen.

Nach wie vor gelangen schwer oder gar nicht abbaubare Substanzen mit dem Klärwasser in die Seen und Flüssen. Hormonaktive Substanzen und Nanopartikel können bereits in geringen Konzentrationen biologisch aktiv sein und sich negativ auf die Gesundheit und die Fortpflanzungsfähigkeit auszuwirken.

... die Belastung der Umwelt durch Licht.

Die Schweiz verfügt über keinen Quadratkilometer Fläche mehr, wo noch natürlich dunkle Nachverhältnisse herrschen.[7] Millionen künstlicher Lichtquellen erhellen den Nachthimmel. Vor allem Insekten werden von diesen Lichtquellen unwiderstehlich angezogen und geraten so in endlose Energie zehrende Schwirrflüge, die zu ihrem Tod führen. Auch auf Zugvögel wirkt sich das Kunstlicht störend aus, orientieren diese sich doch anhand der Sterne.

... Tourismus und Freizeitaktivität.

Das Freizeitverhalten wird immer mobiler, bedient sich immer mehr verschiedener Sportarten, Geräte und Einrichtungen und tendiert zu erlebnisorientierter Aktivitäten in der Natur. Der Ausbau der dazu nötigen Infrastrukturanlagen und Bauten hat ähnlich negative Konsequenzen für die Biodiversität wie jene im Siedlungsgebiet. Die erhöhte Freizeitmobilität, das Angebot an neuen Sportarten und die Erschliessung von abgelegenen Gebieten haben zudem zur Folge, dass sich mehr Menschen sommers wie winters in bisher unberührten Lebensräumen aufhalten und dabei Tiere stören, aufscheuchen oder von ihren Ruheplätzen vertreiben.

... invasive Arten.

Mit der wirtschaftlichen Globalisierung ist auch der weltweite Personen- und Warenverkehr explodiert. Und die Natur reist mit: Absichtlich oder zufällig werden Tiere und Pflanzen in Gegenden transportiert, in denen sie nicht heimisch sind. Einige von diesen Organismen sind eine direkte Bedrohung für die Biodiversität, da sie einheimische Arten mit ähnlichen Lebensraumansprüchen verdrängen und besiedelte Ökosysteme negativ beeinträchtigen.

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[1] Baur A. und Baur B. (1990): A roads barriers to dispersal in the land snail Arianta arbostorum
[2] Bundesamt für Statistik (2002): Umwelt Schweiz. Statistik und Analysen.
[3] Fischnetz (2004): Dem Fischrückgang auf der Spur
[4] U.-B. Brändli, M. Abegg, (2009): Der Schweizer Wald wird immer natürlicher. Ergebnisse des dritten Landesforstinventars LFI3. Wald Holz 90/7, 27-29
[5] Rosenzweig M.L. (1995): Species Diversity in space and time, Ellenberg H. (1996): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen
[6] Körner Ch. (1999): Biologische Folgen der CO2-Erhöhung
[7] Cinzano P. et al (2001): The first World Atlas of the artificial night sky brightness