In Nagoya hat die Biodiversität einen Wert erhalten

15.12.2010, von Bruno Oberle, Direktor des Bundesamts für Umwelt (BAFU)

Das Internationale Jahr der Biodiversität 2010 geht seinem Ende entgegen. Sowohl auf nationaler, regionaler als auch auf lokaler Ebene haben eine Vielzahl von Aktionen stattgefunden, die den Menschen klar gemacht haben, was Biodiversität eigentlich ist und wie bzw. warum sie geschützt werden muss.

Das Internationale Jahr der Biodiversität hat auch in Erinnerung gerufen, dass die Biodiversität überall auf der Welt abnimmt. Dies gilt auch für die Schweiz, wo der Biodiversitätsverlust hinter einer «grünen Fassade», die häufig auf übermässigen Stickstoffeintrag zurückzuführen ist, leise und schleichend voranschreitet.

Dieser schleichende Verlust muss aufhören. Die Staaten, die unter der Schirmherrschaft der Biodiversitätskonvention in Nagoya zusammengekommen sind, haben sich darum Ziele gesetzt, die weltweit bis 2020 zu erreichen sind.

In den kommenden 10 Jahren müssen die Länder die Massnahmen eingeleitet und Tätigkeiten umgesetzt haben, die notwendig sind, um den Biodiversitätsverlust zu stoppen. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise 17% der Landflächen und 10% der Küstengebiete und Meere unter Schutz zu stellen sind. Jedes Land hat nun zu definieren, was in seiner spezifischen Situation am zweckmässigsten ist.

Ausserdem haben die Staaten an der Konferenz das Protokoll über den Zugang zu genetischen Ressourcen und den Vorteilsausgleich (Access and Benefit Sharing, ABS) verabschiedet.

Die genetischen Ressourcen von Pflanzen, Tieren, Pilzen oder Bakterien wurden als Reichtümer der Lieferantenländer anerkannt. Diese Länder geben das Einverständnis zur Nutzung ihrer genetischen Ressourcen. Im Gegenzug kommen sie in den Genuss eines Teils der Vorteile, die aus dieser Nutzung entstehen. Damit erhält die Biodiversität einen expliziten und vertraglich anerkannten Wert.

In der Schweiz verfolgen wir bei der Ausarbeitung der nationalen Biodiversitätsstrategie dieselben Stossrichtungen wie die Beschlüsse von Nagoya: Förderung einer nachhaltigen Nutzung der Biodiversität; Erhöhung der Flächen, die der Biodiversität gewidmet sind; Abschätzung der finanziellen Bedürfnisse und Suche nach neuen Finanzierungsmechanismen.

So soll beispielsweise die Biodiversität einen Geldwert erhalten, und die Nutzer der Biodiversität sollen sich an den Kosten ihrer Erhaltung beteiligen.